Silvester kann so unterschiedlich sein

Wie der Jahreswechsel vor Ort in Rumänien aussieht – und warum Rücksicht so viel verändert

 

Für viele Menschen markiert Silvester einen klaren Schnitt. Ein Ende. Einen Neubeginn. Feuerwerk, Lichter, Feiern.

 

Doch für Tiere – und für den Tierschutz – hört das Jahr nicht einfach auf. 

 

Und  für unzählige Tiere ist Silvester die schlimmste Nacht des Jahres. 


Vor Ort in Rumänien unterscheidet sich der Jahreswechsel kaum von jedem anderen Tag. Die Versorgung läuft weiter. Tiere brauchen Futter, Pflege, Sicherheit. Besonders rund um die Silvesternacht spitzt sich die Situation jedoch zu.

 

Jedes Jahr kommen zahlreiche Tiere mit Verletzungen, Schockzuständen oder schweren Traumata in die Tierkliniken – ausgelöst durch Lärm, Panik, Unfälle oder Gewalt.

 

In enger Zusammenarbeit mit unserem Partnertierarzt SacheVET haben wir deshalb auch in diesem Jahr mehrere Hunde vor der Silvesternacht übernommen. Dort wurde dringend Platz benötigt – für neue Notfälle, die um und nach der Silvesternacht eingeliefert werden. Platz schaffen bedeutet in diesem Moment Leben retten.

 

Für Grigoreta und das Team hieß das: Die Silvesternacht wurde nicht feiernd verbracht, sondern vor Ort im Shelter. Neue Tiere wurden aufgenommen, begrüßt und in ihre Übergangszuhause gebracht. Es wurde versucht, ihnen diese Nacht so ruhig und sicher wie möglich zu gestalten – ihnen Wärme zu geben, Verlässlichkeit und das Gefühl, nicht allein zu sein. Damit sie die lauten Geräusche draußen nicht völlig schutzlos erleben müssen.

 

Silvester bedeutet hier nicht Rückblick oder Vorsätze.

Es bedeutet da sein, wenn andere nicht können.

Es bedeutet Verantwortung – gerade dann, wenn sie am meisten gebraucht wird.

Und genau hier berührt sich das, was vor Ort geschieht, mit dem, was wir alle beeinflussen können.

 

Denn während wir das alte Jahr verabschieden,

beginnt für viele Tiere eine Nacht voller Stress – manchmal voller Panik.

  • Hunde verstecken sich zitternd im Bad, weil es der einzige Raum ohne Fenster ist.
  • Katzen verkriechen sich und kommen stundenlang nicht hervor.
  • Manche Tiere verbringen die Nacht im Auto, weil ihre Menschen verzweifelt versuchen, sie vor dem Lärm zu schützen.
  • Wildtiere fliehen kopflos vor den Explosionen, verletzen sich oder finden nicht mehr zurück in ihre Reviere.
  • Tiere im Tierheim erleben die Knallerei ohne Bezugsperson, ohne Erklärung, ohne Schutz.

Nicht, weil sie schwach sind.

Nicht, weil sie sich „anstellen“.

Sondern weil wir laut feiern.

 

Was für uns Sekunden des Knallens sind, ist für Tiere eine reale Bedrohung. Laute Explosionen, grelle Lichtblitze, Rauch und Vibrationen lösen Stressreaktionen aus, die sie nicht einordnen können. Und oft endet diese Belastung nicht um Mitternacht. Viele Tiere zeigen noch Tage oder Wochen später Angst, Unruhe, Rückzug oder Verhaltensveränderungen.

 

Jedes Jahr verlieren Tiere ihr Leben – durch Panik, Flucht, Verkehrsunfälle oder Herzversagen.

 

Doch es betrifft nicht nur Tiere.

Auch wir Menschen leiden jedes Jahr unter den Folgen.

Man muss sich nur die Nachrichten am 01. Januar anhören:

  • Menschen verlieren ihr Leben.
  • Andere verlieren Gliedmaßen oder liegen schwer verletzt im Krankenhaus.
  • Häuser, Kirchen und Fahrzeuge brennen.
  • Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienste sind im Dauereinsatz – oft unter Lebensgefahr.

Dabei geht es auch anders.

Ein ruhiges Silvester ist kein Verzicht. Es ist eine bewusste Entscheidung. Für Rücksicht statt Krach. Für Nähe statt Knallerei. Für ein Miteinander, das niemanden zurücklässt.

 

Immer mehr Menschen entscheiden sich dafür, auf privates Feuerwerk zu verzichten. Sie feiern mit gutem Essen, Gesprächen, Kerzenlicht oder einem ruhigen Spaziergang am Neujahrsmorgen – wenn die Welt still ist.

 

Zum nächsten Silvester haben wir wieder eine Wahl.

Und jedes Jahr können es mehr sein, die sie treffen.

Für unsere Haustiere.

Für Wildtiere.

Für Tiere in Tierheimen.

Für all jene, die keine Stimme haben.

Ein ruhiges Silvester kann so schön sein.

Besonders.

Einfach zusammen. 🩷