Polizei ermittelt wegen mutmaßlich illegaler Tötungen von Straßenhunden und möglichem Betrug mit öffentlichen Geldern
Am 5. März 2026 führte die rumänische Polizei groß angelegte Razzien gegen mehrere Tierheimbetreiber und beteiligte Unternehmen durch.
Sie stehen unter Verdacht, Hunde illegal getötet und öffentliche Gelder falsch abgerechnet zu haben.
Großrazzia in mehreren Landkreisen
Ermittler der rumänischen Polizei durchsuchten insgesamt 20 Objekte in vier Landkreisen (Prahova, Giurgiu, Constanța und Ilfov).
Die Aktion wurde von der Abteilung für Wirtschaftskriminalität der Polizei in Prahova koordiniert, gemeinsam mit weiteren Polizeibehörden und unter Aufsicht der Staatsanwaltschaft.
Im Fokus stehen zwei Unternehmen:
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Vetmedan SRL (Tierheim „Arca lui Noe“ in Suraia, Vrancea) unter Leitung von Tierarzt Daniel Lazăr
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Heremy Animal Med SRL (Boldești-Scăeni, Prahova)
Durchsucht wurden unter anderem:
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privaten Tierheime,
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Firmenbüros und Wohnungen von Beteiligten,
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sowie mehrere kommunale Verwaltungen, die Verträge mit privaten Anbietern zur sogenannten „Straßenhundeverwaltung“ abgeschlossen hatten.
Die Ermittler stellten dabei Dokumente, Computer und Mobiltelefone sicher. Ziel ist es, mögliche Unregelmäßigkeiten in Verträgen, Abrechnungen und Fangmeldungen zu untersuchen.
Verdacht auf illegale Tötungen und Betrug
Die Ermittlungen drehen sich um mehrere schwerwiegende Vorwürfe. Den beschuldigten Betreibern wird unter anderem vorgeworfen:
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Hunde illegal oder ohne Einhaltung der gesetzlichen Fristen getötet zu haben
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Tiere ohne ausreichende Betäubung eingeschläfert zu haben
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medizinische Dokumentation und Gesundheitsakten der Tiere nicht korrekt geführt zu haben
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mehr Hunde abgerechnet zu haben, als tatsächlich eingefangen wurden
Gerade der letzte Punkt steht im Zentrum der wirtschaftskriminalistischen Ermittlungen.
Demnach sollen manche Betreiber Fanglisten manipuliert haben, um von Kommunen höhere Zahlungen zu erhalten. In einigen Fällen prüfen Ermittler, ob Hunde direkt nach dem Einfangen getötet wurden, obwohl rumänisches Recht eine Wartefrist vorsieht, in der eine Adoption möglich sein muss.
Zusammenhang mit dem Skandal um das Tierheim in Suraia
Die aktuellen Ermittlungen stehen in direktem Zusammenhang mit den Ereignissen rund um das private Tierheim in Suraia (Rumänien), das von der Firma Vetmedan SRL betrieben wurde.
Auslöser des Skandals waren im Februar 2026 verdeckte Videoaufnahmen, die mutmaßlich brutale Tötungen von Hunden zeigten.
Nach Veröffentlichung der Bilder reagierten Behörden schnell:
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das Tierheim wurde vorübergehend geschlossen,
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gegen mehrere Personen wurden Strafverfahren eingeleitet,
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und es kam bereits zu Hausdurchsuchungen und Bußgeldern.
Über diesen Fall haben wir bereits ausführlich berichtet!
Nach verschiedenen Berichten von NGOs (rumänische Tierschutzorganisationen), Medien und teilweise auch offiziellen Statistiken werden in Rumänien jedes Jahr Zehntausende Straßenhunde eingefangen. Ein großer Teil davon wird später eingeschläfert, wenn keine Adoption erfolgt.
In manchen Jahren sprechen Schätzungen davon, dass bis zu rund 100.000 Hunde jährlich in rumänischen Tierheimen oder sogenannten Ekarisaj-Stationen* eingeschläfert werden. Die genaue Zahl schwankt je nach Quelle und Jahr.
Nach aktuellem Stand stehen mehrere Personen unter strafrechtlicher Untersuchung.
In einem Teil der Verfahren wurden bereits gerichtliche Auflagen und Hausarrest verhängt.
Die Ermittlungen dauern an. Offizielle Urteile oder Anklagen liegen derzeit noch nicht vor.
* Ekarisaj-Stationen: kommunal beauftragter Dienstleister für Straßenhundemanagement
Kommunen prüfen ihre Verträge
Die Vorwürfe haben inzwischen auch politische Konsequenzen.
Mehrere Gemeinden haben angekündigt, ihre Verträge mit privaten „Ekarisaj“-Betreibern zu überprüfen oder zu beenden.
Einige Landkreise prüfen zudem alternative Ansätze, darunter:
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eigene kommunale Tierheime
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verstärkte Kastrationsprogramme
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mehr Adoptionskampagnen
Debatte über die Zukunft des Systems
Der Fall hat in Rumänien eine breite Diskussion über den Umgang mit Straßenhunden ausgelöst.
Im Parlament wird derzeit über mögliche Gesetzesänderungen diskutiert. Unter anderem steht die Frage im Raum, ob die bisherige Praxis der Masseneuthanasie (Einschläferungen) grundsätzlich überarbeitet werden muss.
Zugleich kündigten Behörden an, künftig strengere Kontrollen privater Tierheimbetreiber durchführen zu wollen.
Viele Fragen sind noch offen
Trotz der laufenden Ermittlungen sind viele Details noch ungeklärt. So ist bislang nicht endgültig bestätigt:
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wie viele Hunde tatsächlich betroffen sind
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in welchem Umfang öffentliche Gelder missbraucht wurden
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ob weitere Tierheime mit ähnlichen Praktiken arbeiten
Klar ist jedoch bereits jetzt: Der Fall hat ein System ins öffentliche Licht gerückt, das bislang nur selten kritisch hinterfragt wurde. Die kommenden Monate werden zeigen, ob die laufenden Ermittlungen tatsächlich zu strukturellen Veränderungen im Umgang mit Straßenhunden in Rumänien führen.
Einige Quellen:
- digi24.ro - Razzien in vier Landkreisen wegen illegaler Tötung von Straßenhunden
- radioromania.ro - Ermittlungen und geplante Verhöre
- mediafax.ro - Zusammenfassung der Ermittlungen und Vorwürfe
- radioconstanta.ro - Bericht über mögliche falsche Fangmeldungen
- agerpres.ro - Offizielle Polizeistellungnahme
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