Auch mit Erfahrung bleibt jeder Einsatz besonders
Ester aus Thun war im Dezember 2025 bereits zum wiederholten Mal als Volunteer auf der Island of Hope vor Ort. Vom 17. bis 26. Dezember verbrachte sie zehn intensive Tage im Shelter – Tage voller Arbeit, Verantwortung und Begegnungen, die auch mit Erfahrung nichts von ihrer Tiefe verlieren.
Zwischen dem Wiedersehen mit vertrauten Hunden wie Scabby, Baron und Lena, der Betreuung sensibler Hunde-Mamas mit ihren Welpen, kurzen Ruhepausen mit Junghündin Malou und bewussten Momenten mit
Kater Orion beschreibt Ester, wie wichtig Achtsamkeit, Respekt und genaues Beobachten im Alltag sind.
Besonders prägend waren für sie zudem die Vorbereitungen des letzten Transports des Jahres – ein Zusammenspiel aus Organisation, Teamwork, Abschied und Hoffnung.
Und nun nimmt uns Ester mit in ihre ganz persönliche Zeit
auf der Island of Hope
— 🐾 —
Ester
"Am frühen Morgen des 17. Dezembers 2025 mache ich mich auf den Weg zum Flughafen Zürich – mit dem Kopf bereits voller Gedanken. Es ist nun ja bereits mein 8. Volontariat bei meiner HAR-Familie und dennoch ist es alles andere als Routine. Was wird mich wohl diesmal erwarten? Welche Hunde sind immer noch im Shelter, welche sind neu und werde ich es mental und körperlich einigermassen schaffen (mein Berufsalltag ist im Büro ☺️ und ich bin mit 50 nicht mehr die Jüngste)? In Bukarest angekommen, klappt der Transfer mit dem Taxi bis nach Buftea ins Shelter wunderbar und die Begrüssung der vielen Fellnasen fällt lautstark und herzlich aus! Scabby, Baron und Lena – das wunderbare Trio aus dem Haus sind sofort zur Stelle! Wie schön, die drei wiederzusehen. Es ist nun bereits Abend und in einem ersten Schritt geht es darum, allen Hunden im Haupthaus die Gelegenheit zu geben, mich in aller Ruhe als ihre neue «Mitbewohnerin» kennen zu lernen. Schliesslich bin ich als Gast anwesend und es ist in erster Linie meine Aufgabe dafür zu sorgen, dass sich die Hunde wohl fühlen und sie mich in ihrem Revier akzeptieren können. Dabei hilft sicher auch der eine oder andere Snack in der Hosentasche! 😉
Die ersten 1-2 Tage sind für mich jeweils die anstrengendsten, weil mir die Routine vom letzten Jahr längst abhandengekommen ist und ich mich erst wieder in die Arbeitsabläufe einarbeiten muss. Dabei hilft mir aber das Team jederzeit und die Zusammenarbeit klappt wie immer wunderbar.
Natürlich besteht die Arbeit aus ca. 90% putzen und Wäsche erledigen, aber es bleiben immer auch kurze Momente, um Zeit mit den Hunden und Katzen zu verbringen. Und diese nehme ich mir auch immer wieder ganz bewusst. In diesem Jahr ist dies vor allem der Kater Orion, welcher im 1. Stock des Hauses im Badezimmer einquartiert ist und eine wirklich traurige Geschichte durchleben musste. Da ist es mir einfach zu wenig, nur sein «zu Hause» zu putzen, ihn zu füttern und dann gleich weiterzumachen. So nehme ich mir täglich mindestens 1- bis 2-mal kurz die Zeit, mich hinzusetzen und ihn entscheiden zu lassen, ob er eine Streicheleinheit, spielen oder doch lieber Ruhe haben möchte. Meistens entscheidet sich der kleine Kerl für eine Streicheleinheit! ☺️ Oder am Nachmittag gibt es jeweils eine kurze Siesta mit der süssen Junghündin Malou – wir teilen uns das Zimmer.
Dieses Jahr unterstütze ich vormittags die Person, welche für die Reinigung des Haupthauses zuständig ist und wechsle dann am Mittag zu Nicoleta & Team ins Klinikgebäude, wo es auch immer täglich unzählige Arbeiten zu erledigen gibt. Im 1. Stock der Klinik gibt es zwei Räume, welche für Hunde oder Katzen zur Verfügung stehen. Aktuell wird der eine Raum von einer sehr scheuen Hunde-Mama mit ihren 10 wuseligen und süssen Welpen bewohnt. Es ist kaum vorstellbar, was 10 so kleine Wesen über Nacht alles anstellen können, vor allem hinsichtlich «gewurstel»… ☺️ Und kaum ist alles geputzt und sauber, kann «frau» sich etwa 1 Minute darüber freuen, bis bereits wieder die ersten Geschäfte erledigt werden! ☺️ Der andere Raum bewohnt eine sehr ruhige, aber beschützende Mama mit ihren 2 Welpen. Das Verhalten der beiden Mamas ist sehr unterschiedlich und für mich ist es wichtig, sehr aufmerksam zu sein. Während die scheue Mama der 10 Welpen problemlos ihre Kleinen von uns anfassen und für die kurze Reinigungsphase in Käfige bringen lässt, reagiert die beschützende Mama sehr sensibel und ich muss mich hier viel zurückhaltender verhalten. Dies scheint mir generell ein wichtiger Aspekt bei den täglichen Kontakten zu sein: beobachten, aufmerksam sein und die Bedürfnisse der Hunde und Katzen erkennen, denn alle bringen eine eigene Geschichte mit, sind eigenständige Charaktere und reagieren in ähnlichen Situationen unterschiedlich. Da ist von uns Volontären Feingefühl, Respekt und wenn nötig auch Zurückhaltung gefordert. Dabei werde ich vom Team toll unterstützt. Sie begleiten mich nahe und weisen mich darauf hin, wenn zum Beispiel im Freilaufbereich ausnahmsweise gerade etwas Distanz sinnvoll wäre ☺️, da Hunde herumdüsen, die fremden Menschen gegenüber doch etwas skeptisch sind.
Am Freitag, 19. Dezember 2025 findet der letzte Transport im 2025 statt und am Abend dürfen 20 Tiere ausreisen. Ich bin zum ersten Mal bei den Vorbereitungen dabei und bin sehr beeindruckt, wie viel Organisation und Teamwork dazu notwendig ist. Alle packen mit an und mir ist schnell klar, dass hier ein eingespieltes Team alles daransetzt, den Verladeprozess für die Tiere so schonend wie möglich zu gestalten. Anhand von Listen und Mikrochips wird alles sehr sorgfältig und doppelt geprüft, den Tieren wird Wasser & Futter in ihre Käfige gestellt und natürlich erhält jeder Hund beim Einsteigen ein Sicherheitsgeschirr.
Was auch nicht fehlen darf, ist ein entsprechendes Abschiedsfoto.
Irgendwann vor Mitternacht sind alle reisefertig und die Fellnasen machen sich mit einem 2er-Fahrerteam auf den Weg. Die Stimmung im Team nehme ich als ambivalent wahr – natürlich freuen sich alle für die Fellnasen, welche nun in ein hoffentlich tolles Endzuhause oder auf eine liebevolle Pflegestelle dürfen – aber es ist auch ein Abschied aus der Island of Hope. Gerade wenn Langzeitbewohner ausziehen dürfen, hinterlassen sie eine grosse Lücke, die ein gewisser Abschiedsschmerz hervorruft.
Sehr berührend sind die Vorbereitungen für die Ausreise von Hasselhoff:
der liebe Kerl benötigt für sein verkürztes Bein einen Verband und Grigoreta erstellt für jeden Handgriff noch ein kurzes Video als Hilfestellung für das neue Frauchen von «Hase». Dies zeigt, wie wichtig es Grigoreta ist, dass die Hunde/Katzen in ihrem neuen Zuhause einen guten Start haben und es ihnen auch künftig an nichts fehlen wird. Für uns geht ein sehr langer Tag zu Ende und alle freuen sich auf einige Stunden Schlaf. Am nächsten Tag vernehme ich, dass der Transporter in Ungarn frühmorgens leider eine Panne hatte! Schliesslich seien dennoch alle zwar verspätet, aber wohlbehalten und sicher angekommen. In den kommenden Tagen frage ich mich noch oft, wie es den Fellnasen in ihrem neuen Zuhause wohl ergehen mag?
Nach 10 intensiven, spannenden und herausfordernden Tagen heisst es für mich Koffer packen und Abschied nehmen. Für mich immer wieder ein ganz schwieriges Unterfangen. Einerseits bin ich froh, denn körperlich bin ich ehrlich gesagt total am Limit. 12 bis 14 Stunden körperliche Arbeiten haben Spuren hinterlassen. Andererseits fühlt es sich an, das Team mit all den Herausforderungen im Stich zu lassen. Iulian & Grigoreta und Nicoleta sind mir als Menschen in den letzten 7 Jahren längst sehr ans Herz gewachsen und ich werde sie sehr vermissen, wie auch die vielen tollen und liebenswerten Fellnasen 🩷
Das Team von HAR leistet wirklich Unglaubliches und sie sind meine persönlichen Helden. Es war mir einmal mehr eine Ehre, für einige Tage Teil der Island of Hope gewesen zu sein. Auch wenn ich es nie verspreche, spüre ich gegenseitig die Hoffnung, dass wir uns im kommenden Jahr wiedersehen.
An alle, die unsicher sind, ob ein Volontariat für sie in Frage kommt: Ist es einfach? Nein! Ist es prägend? Ja! Ist es sinnvoll und erfüllend? Zu 100%! Just do it!"
Kannst du dir vorstellen, Teil dieses Alltags zu werden?
Esters Erfahrungen zeigen, wie viel Verantwortung, Nähe und Feingefühl Volunteering bei HAR bedeutet und warum jeder Einsatz zählt.
Auf unserer Volunteering-Seite findest du alle wichtigen Informationen und Möglichkeiten, mit uns in Kontakt zu treten.
Unterstützung vor Ort wird dringend gebraucht. Vielleicht bist genau du die helfende Hand, auf die wir warten. 💛